Kriegstagebuch 1. Weltkrieg

Es ist das Jahr 1914. In Sarajevo sind der Thronfolger von Österreich-Ungarn und seine Frau einem Attentat zum Opfer gefallen. Der 22-jährige Ernst Pauleit leistet schon seit ein paar Monaten Wehrdienst. Am 29. Juli erhält der Fußartillerist Marschbefehl nach Köln. "Die Entwickelung der Dinge mahnte zu höchster Bereitschaft", schreibt er in seinem Tagebuch. Der Erste Weltkrieg steht unmittelbar bevor.
Zehn Bände füllt Ernst Pauleit in jener Zeit mit Notizen, nach dem Krieg fasst er seine Tagebücher mit Hilfe einer Schreibmaschine zusammen. Jetzt veröffentlicht sein Urenkel die Erinnerungen in einem Blog. Die Einträge auf "1914-1918 - Die Entwicklung der Dinge" erscheinen sozusagen in Echtzeit, auf den Tag genau hundert Jahre später.


16.8.1918 Das Eiserne Kreuz I. Klasse
Es nützt auch nichts, wenn ich mir noch einmal vergegenwärtige, in welch “feierlicher” Weise mir mein “Eisernes I.” Verliehen wurde. Ich hatte eines Tages das Missgeschick, meine Urinflasche auf den Erdboden fallen zu lassen. Die Flasche ging in Scherben. Mich darüber in Arrest zu stecken, war bei meinem Zustand anscheinend nicht angebracht. Aber 8 Tage […] Mehr lesen …
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8.8.1918
Am 8.8. Konnte ich bereits zum ersten Male aufstehen um mit Krücken einen schüchternen Gehversuch zum Fenster zu wagen – doch, Straße, wie wunderlich sahst Du mir aus! Ich kam mir vor, als wäre ich betrunken. Kein Wunder auch darum, dass ich sogar über eine nur 1cm hohe Türschwelle stolperte und fürs erste genug hatte. […] Mehr lesen …
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In eigener Sache: Andre Gottwald
Mit großer Bestürzung und Trauer habe ich soeben erfahren, dass Andre Gottwald am 1.6.2018 von uns gegangen ist. Ich kannte Andre nie persönlich, aber er hat über die letzten Jahre mit großer Leidenschaft die Kanäle dieses Blogs auf Facebook und Twitter betrieben. Er hat mich stets ermahnt, wenn ich mal wieder zu spät dran war. […] Mehr lesen …
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1.8.1918 „Sterben ist Erlösung“
“Sterben ist Erlösung” Von diesem Gefühl wurde auch ich immer stärker durchdrungen. Und dennoch – als ich eines Tages glaubte, meine Uhr sei abgelaufen, da klammerte ich mich doch an dieses armselige Leben wie an einen Strohhalm. Da war ich auf einmal bereit, alle Qualen dieses Daseins weiter auf mich zu nehmen – nicht um […] Mehr lesen …
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6.7.1918
Wiederum musste ich feststellen, dass der Mensch mehr aushalten kann, als er glaubt. Wie wäre es sonst möglich gewesen, dass ich am 6.7. zwei weitere Abszesse nur in Aether-Betäubung überstand, obwohl ich das Messer bis auf die Knochen spürte. Narkose, Morphiumspritze und Opiumtropfen aber sind und bleiben Himmelsgaben. Nur schade, dass man so wenig davon […] Mehr lesen …
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23.6.1918
Der Zustand besserte sich jedoch immer noch nicht. 3 Wochen später, am 23.6., lag ich abermals auf dem Operationstisch. Die Knochenhautentzündung hatte sich zur Knochenmarkeiterung entwickelt. Ein Stück des Knochens musste ausgemeißelt werden.   Der nächste Tagebucheintrag folgt am 6.7.
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6./7.6.1918
Trotz bester Behandlung – bei umso schlechterer Versorgung – trat eine Besserung meines Zustandes jedoch nicht ein. Über 2 Monate lag ich bereits im Fieber. Es war alles anders gekommen, als ich es mir vorher ausgemalt hatte. Ich hatte etwa wie folgt kalkuliert: In wenigen Wochen ist das Bein heil. Du wirst zwar noch etwas […] Mehr lesen …
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29.3.1918
Die ungefähr 50stündige Reise über Valenciennes (wo wir beinahe noch das Opfer feindlicher Fliegerbomben geworden wären), Namur, Lüttich, Herbesthal, Köln, Hagen, Paderborn bis Göttingen trug die gleichen Kennzeichen, wie die Fahrt im Krankenwagen und Sanitäts-Auto. Zwar waren die Schienen glatter als die Wege und Straßen von der Front — aber das rücksichtslose Anziehen der Lokomotive […] Mehr lesen …
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26.3.1918
Als ich aus der Narkose erwachte, lag ich im Bett und harrte der Dinge, die kommen würden. Bei der Operation war zwar der Granatsplitter entfernt worden – aber besser wurde es damit nicht. Die Wundschmerzen steigerten sich bis ins Unerträgliche. Dieses und vielleicht auch der tägliche starke Zuwachs an weiteren Verwundeten waren zweifellos die Ursache, […] Mehr lesen …
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Verletzung – Teil 4
Doch uns traf der Schlag. Man fragte, ob ein verwundeter Offizier vorhanden sei — nein, so weit hatte es trotz mehr als vierjähriger Kriegstätigkeit anscheinend niemand von uns gebracht. Oder sollte dennoch einer von ihnen auf den unzähligen Bahren liegen, der das Beschämende dieser Frage ebenso deutlich fühlte wie wir und lieber mit uns unerkannt […] Mehr lesen …
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