Kriegstagebuch 1. Weltkrieg

Es ist das Jahr 1914. In Sarajevo sind der Thronfolger von Österreich-Ungarn und seine Frau einem Attentat zum Opfer gefallen. Der 22-jährige Ernst Pauleit leistet schon seit ein paar Monaten Wehrdienst. Am 29. Juli erhält der Fußartillerist Marschbefehl nach Köln. "Die Entwickelung der Dinge mahnte zu höchster Bereitschaft", schreibt er in seinem Tagebuch. Der Erste Weltkrieg steht unmittelbar bevor.
Zehn Bände füllt Ernst Pauleit in jener Zeit mit Notizen, nach dem Krieg fasst er seine Tagebücher mit Hilfe einer Schreibmaschine zusammen. Jetzt veröffentlicht sein Urenkel die Erinnerungen in einem Blog. Die Einträge auf "1914-1918 - Die Entwicklung der Dinge" erscheinen sozusagen in Echtzeit, auf den Tag genau hundert Jahre später.


29.3.1918
Die ungefähr 50stündige Reise über Valenciennes (wo wir beinahe noch das Opfer feindlicher Fliegerbomben geworden wären), Namur, Lüttich, Herbesthal, Köln, Hagen, Paderborn bis Göttingen trug die gleichen Kennzeichen, wie die Fahrt im Krankenwagen und Sanitäts-Auto. Zwar waren die Schienen glatter als die Wege und Straßen von der Front — aber das rücksichtslose Anziehen der Lokomotive […] Mehr lesen …
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26.3.1918
Als ich aus der Narkose erwachte, lag ich im Bett und harrte der Dinge, die kommen würden. Bei der Operation war zwar der Granatsplitter entfernt worden – aber besser wurde es damit nicht. Die Wundschmerzen steigerten sich bis ins Unerträgliche. Dieses und vielleicht auch der tägliche starke Zuwachs an weiteren Verwundeten waren zweifellos die Ursache, […] Mehr lesen …
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Verletzung – Teil 4
Doch uns traf der Schlag. Man fragte, ob ein verwundeter Offizier vorhanden sei — nein, so weit hatte es trotz mehr als vierjähriger Kriegstätigkeit anscheinend niemand von uns gebracht. Oder sollte dennoch einer von ihnen auf den unzähligen Bahren liegen, der das Beschämende dieser Frage ebenso deutlich fühlte wie wir und lieber mit uns unerkannt […] Mehr lesen …
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Verletzung – Teil 3
Ich sollte überhaupt nicht mit bei der Offensive sein, weil ich zuvor nächtelang bei den Vorbereitungen mitgeholfen hatte. Ich wies diese Zumutung zurück. Ich wollte nicht zurückbleiben, wenn es wieder vorwärts ging. Noch ehe ich zur Front abrückte, hatte ich Pech. Beim Anzünden einer Pfeife ging in meiner linken Hand die ganze Streichholzschachtel in der […] Mehr lesen …
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Verletzung – Teil 2
Erst gegen 8 Uhr morgens ließ der Kampflärm nach. Der Tag war inzwischen angebrochen. Kurz darauf wurde ich zum nächsten Verbandsplatz getragen. Der Krieg war für mich aus. Dieser Gedanke tötete für Augenblicke die Schmerzen ab. Doch bald waren sie wieder da, heftiger und unerträglicher als zuvor. Die Hand machte mir keine besonderen Sorgen. Anders […] Mehr lesen …
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21.3.1918 Gottseidank! Eine jede Kugel trifft ja nicht! (Verletzung Teil 1)
Gottseidank! “Eine jede Kugel trifft ja nicht!” Wäre es anders, unsere gesamte Batterie gehörte längst der Vergangenheit an. Wir lägen vielleicht zerfetzt in irgendeiner Erdfalte der Champagne, oder an der Aisne, an der Somme, vor Verdun oder im fremden Land. Aber trotzdem, “eine Kugel trifft bestimmt einmal”, wenn man Tag um Tag und Jahr um […] Mehr lesen …
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21.3.1918 Der Krieg ist für mich zu Ende
Eine Kugel trifft bestimmt einmal. Offensive bei Cambrai. Im Feuergefecht und im Gas. Ein Granatsplitter genügte. 9 Stunden hilflos auf dem Verbandsplatze. Sanitätsauto nur für Offiziere. Die Himmelfahrt nach dem Feldlazarett. Nachts 1 Uhr endlich unter dem Messer. Eine 50-Stündige Fahrt in dem Lazarettzug. Im Göttinger Reservelazarett II, Abteilung Thüringer Hof. Was man aushalten muss, […] Mehr lesen …
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20.3.1918 „Eine jede Kugel trifft ja nicht“
Nochmals in der Feuerstellung. Die letzten Vorbereitungen. Morgen soll’s losgehen. “Eine jede Kugel trifft ja nicht!” Wir haben unsere Geschütze diese Nacht mit 30 Mann endgültig eingefahren – ein Stück Arbeit, wie es von Menschen nur im Kriege geleistet werden kann. Gestern abend halb 8 Uhr begannen wir damit. Das 1. Geschütz konnte glatt auf […] Mehr lesen …
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17.3.1918 Es hätte schlimm werden können.
17 Stunden auf den Beinen. Das Einfahren der Geschütze bei Inchy. Es hätte schlimm werden können. In letzter Minute aus dem Dreck. Quartier in Cambrai. Sonntag. 12 Uhr mittags. Nachdem ich seit gestern Abend 7 Uhr volle 17 Stunden auf den Beinen war, kehre ich jetzt von unserer Stellung zurück. Wir haben über Nacht unsere […] Mehr lesen …
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16.3.1918
Sie sind wirklich zu Ende. Über Nacht haben wir Neuville verlassen, um über Bouchain nach Ramillies zu marschieren. Um 8 Uhr morgens langen wir an. Diesmal ist die Unterkunft noch “bescheidener” als bisher. Wir liegen unter notdürftig errichteten Dächern, die höchstens gegen Regen und Fliegersicht Schutz bieten. Lange wird aber wohl auch hier unseres Bleibens […] Mehr lesen …
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